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Weltmeister im Direktantriebs- und im Schaltkart. Dann rief die Formel 1.
Seine Eltern benannten ihn nach Jarno Saarinen, dem finnischen Motorrad-Weltmeister, der 1973 in Monza ums Leben kam. Mitte der 1990er bedeutete der Name etwas völlig anderes: der schnellste Kartfahrer der Welt — in welcher Kategorie auch immer man wollte. Jarno Trulli gewann WM-Titel sowohl im Direktantriebs- als auch im Schaltkart, ein Double, das nur ganz wenigen Fahrern je gelungen ist.
1974 in Pescara in eine Familie von Motorsportbesessenen geboren, arbeitete sich Trulli in den späten 1980ern durch die italienische Nationalszene und stapelte von 1988 bis 1990 drei italienische 100-ccm-Titel in Folge. Der Durchbruch kam 1991 in Le Mans, wo der 17-Jährige die Weltmeisterschaft in der 100-ccm-Klasse Formula K auf einem All-Kart-Chassis mit Parilla-Power gewann und Massimiliano Orsini die Krone entriss.
Dann suchte er sich ein härteres Problem. 1992 verlagerte er den Fokus auf die 125-ccm-Schaltkategorie und wurde Zweiter der Formel-C-Weltmeisterschaft in Mariembourg, geschlagen nur von Danilo Rossi auf dem Höhepunkt seines Könnens. 1993 wurde er erneut Vizeweltmeister, diesmal zurück in der 100-ccm-Formel-Super-A in Laval. Der zweite Titel landete schließlich 1994 im polnischen Bydgoszcz, wo Trulli die Formel-C-Weltkrone auf einem Tony Kart-Pavesi holte — eine Schaltkart-Weltmeisterschaft jener Art, die heute in der KZ-Linie weiterlebt. In derselben Saison sicherte er sich die europäischen und nordamerikanischen Titel der 100 Super A, später kam noch der Ayrton Senna Memorial World Cup auf FSA-Material dazu.
Bandbreite. Die meisten Weltmeister der Ära spezialisierten sich: Direktantriebs-Puristen auf der einen Seite, Schaltkart-Spezialisten auf der anderen. Trulli gewann in beiden auf höchstem Niveau und wechselte zwischen einem kreischenden 100-ccm-Zweitakter und einem 125er mit sechs Gängen, ohne einen Takt auszulassen. Zeitgenossen erinnern sich an einen Fahrer, der eine einzelne überragende Runde scheinbar auf Bestellung liefern konnte — ein Markenzeichen, das später im Formel-1-Qualifying wiederkehren sollte. Und er war unerbittlich präzise; in einer Ära voller italienischer Talente wie Rossi, Orsini und Alessandro Manetti war Trullis pures Tempo der Maßstab, an dem sich alle maßen.
Trulli ist der Lehrbuchfall der Kart-zu-F1-Pipeline der 1990er. Sein Kart-Lebenslauf war so komplett, dass Flavio Briatores Benetton-Operation seine deutsche Formel-3-Kampagne 1996 finanzierte, die er gewann — und Anfang 1997 stand er mit Minardi in der Formel 1, kaum achtzehn Monate nach seiner letzten vollen Kartsaison. Mehr als 250 Grand-Prix-Meldungen über vierzehn Saisons folgten, mit dem Sieg beim Grand Prix von Monaco 2004 für Renault als Höhepunkt. Doch wer Kartleute nach Trulli fragt, bekommt die F1-Karriere fast als Fußnote serviert. Woran sie sich erinnern, ist der Junge, der zwei Disziplinen des Sports eroberte — damals, als die WM-Felder des goldenen 100-ccm-Zeitalters wohl die tiefsten der Kartgeschichte waren. Die heutigen KZ-Spitzenfahrer jagen noch immer jener Zwei-Klassen-Vielseitigkeit nach, die Trulli wie Routine aussehen ließ.
Quellen: Wikipedia: Jarno Trulli · Wikipedia: Karting World Championship (winners list) · Motorsport.com: Racing life before F1 — Jarno Trulli