Bas Lammers

Zwei KZ1-Weltkronen, ein SuperNats-Coup und eine Karriere, die kein Ende kennt.

🇳🇱 NL 1985 🏆 Sieger des KZ1 World Cup 2010 (Braga, Intrepid) und 2012 (Sarno, Praga); Sieger der SKUSA SuperNationals; 2x Champion der WSK Super Master Series

Bas Lammers hat in seinem Leben noch nie einen Motor gehört — er ist gehörlos — und für sein Tempo hat das exakt gar nichts geändert. Der Niederländer las einen Zweitakter über das Sitzgefühl und die Fingerspitzen und machte aus diesem Gespür eine der prägenden Schaltkart-Karrieren der modernen Ära: zweimal die Nummer eins der Welt in der KZ1, Sieger der SuperNationals in Las Vegas und fast zwei Jahrzehnte lang die Speerspitze diverser Werksteams.

Die Kartjahre

1985 geboren, absolvierte Lammers seine Lehrjahre in den Direktantriebsklassen und wurde 2003 als Teenager Achter der Formel-A-Weltmeisterschaft in Sarno. Doch seine Heimat war das Schaltkart. Als Intrepids Spitzenmann gewann er 2010 in Braga den CIK-FIA KZ1 World Cup — den höchsten Schaltkart-Preis seiner Zeit, nachzulesen in unserer KZ-Geschichte — gegen ein Feld mit Jonathan Thonon, Marco Ardigò und Davide Foré. Zwei Jahre später legte er 2012 in Sarno nach und bescherte der frisch gestarteten Praga-Fabrik kaum ein Jahr nach ihrem Debüt den ersten WM-Titel. Zwei Kronen, zwei verschiedene Chassis: Die Konstante war der Fahrer.

Die zweite Karrierehälfte baute auf Sodikart auf, wo er sechs Saisons lang der Maßstab des französischen Herstellers war, Seite an Seite mit Anthony Abbasse. Das WM-Finale in Lonato brachte ihm 2019 und 2020 Podestplätze, dazu gewann er 2017 und 2019 die WSK Super Master Series — den härtesten KZ-Dauerwettbewerb, den es gibt. Er gehörte außerdem zur europäischen Werkswelle, die die SKUSA SuperNationals eroberte, und reihte sich neben Ardigò und Thonon in die Siegerliste der Topklasse des Vegas-Rennens der internationalen Ära ein. Nach dem Abschied von Sodi 2021 sprang er für die Weltmeisterschaft in Kristianstad direkt auf ein Kart-Republic-IAME-Paket unter der Flagge von Dino Chiesa — und fährt seither weiter auf höchstem Niveau.

Was ihn besonders machte

Aggressivität, Showtalent und ein fast unheimliches mechanisches Gespür. Lammers hat stets betont, dass die Gehörlosigkeit alles andere geschärft habe — Vibration, Chassisflex, Grip durch den Sitz — zu einem einzigen hochauflösenden Signal. Auf der Strecke war er einer der großen Überholer der KZ-Generation, ein Fahrer, der einen Fünfkampf im Heat wie ein Titelfinale anging und überall Highlight-Material produzierte, von Genk bis Las Vegas. Teammanager liebten ihn aus einem weiteren Grund: Er machte Chassismarken groß. Intrepid, Praga, Sodi — jede bekam ihren Ergebnisschub, sobald Lammers kam.

Vermächtnis

Lammers bewies, gemeinsam mit Rivalen wie Marco Ardigò und Paolo De Conto, dass Schaltkartsport eine vollwertige Profikarriere sein kann statt eines Wartezimmers für den Automobilsport. Er ist zudem einer der sichtbarsten Athleten mit Behinderung im internationalen Motorsport — eine zweifache Weltnummer eins, die zufällig gehörlos ist und es selten der Erwähnung wert findet. Und die Geschichte ist nicht zu Ende: Tief in seinen Dreißigern meldete er sich weiter für die SuperNationals und jagte KZ-Silberware — eine Dauererscheinung, die heutige KZ2-Aufsteiger immer wieder in ihren Spiegeln finden. Ein Blick in den Kalender genügt: Irgendwo steht mit hoher Wahrscheinlichkeit noch ein Lammers in der Nennliste.

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