Superkart: Mit 250 cm³ auf die großen Rennstrecken

Die Karts, die GT-Boliden stehen lassen – zum Preis eines gebrauchten Kompaktwagens.

2007 in Magny-Cours umrundete eine Gruppe von Karts den Kurs schneller als das Feld des Porsche Supercup. Keine Prototypen, keine Specials mit unbegrenztem Budget – Superkarts, die 250-cm³-Außenseiter unseres Sports, gebaut für ausgewachsene Grand-Prix-Strecken und, ganz bewusst, für fast nichts anderes.

Die Anfänge

Superkart ist das, was geschah, als der Schaltkartsport die Kartbahn verließ. Während jede andere Klasse dieses Sports auf Sprintkursen fährt, definiert sich das Superkart über den langen Kurs: Layouts jenseits von 1.500 Metern, in der Praxis also echte Automobilrennstrecken – Silverstone, Magny-Cours, Laguna Seca. Um dort zu überleben, änderte das Kart seine Gestalt: längere Radstände, aerodynamische Vollverkleidung mit Nase, Seitenkästen und Heckflügel – und Motoren, die keine Sprintkategorie jemals zulassen würde.

Die Entwicklung

Die Topklasse, Division 1, etablierte sich mit dem 250-cm³-Zweizylinder-Zweitakter: rund 95 PS über ein sequenzielles Fünf- oder Sechsganggetriebe, bewegt wird ein Paket mit 205 kg Mindestgewicht inklusive Fahrer. Die Zahlen sind absurd für ein Gerät ohne Federung: von 0 auf 100 km/h in unter drei Sekunden, Spitze rund 230 km/h. Unterhalb der Twins fährt die Einzylinder-Formel 250 National – etwa 65 PS und 210 km/h, wobei die leichteren Monos auf winkligen Kursen durchaus mit den Twins mithalten können. Das Setup ist eine Disziplin für sich: Übersetzungen für 200-km/h-Geraden, Aero-Abstimmung und Reifenmanagement über Renndistanzen, gegen die Sprintkartsport wie ein Kurzstreckensprint wirkt. Eine Weltmeisterschaft wurde zuletzt 1995 ausgetragen, doch die Disziplin überlebte auf kontinentaler Ebene: Die CIK-FIA-Superkart-Europameisterschaft bleibt das Aushängeschild der Klasse – nach wie vor auf Automobilrennstrecken, nach wie vor das Schnellste, was der Kartsport zu bieten hat.

Die Ökonomie ist der stille Skandal. Road & Track bezifferte die Kosten eines Superkarts 2005 auf 15.000 bis 20.000 Dollar – für Material, das Rennwagen blamiert, die das Zehnfache kosten. Keine andere Kategorie im Motorsport liefert so viel Rundenzeit fürs Geld wie ein Division-1-Superkart auf einem flüssigen Grand-Prix-Kurs.

Die Klasse heute

Superkart bleibt eine Welt für Spezialisten: kleine, eingeschworene Felder schraubender Eigenbau-Ingenieure, die sich in Europa, Australien und Nordamerika die Rennwochenenden mit Automobilserien teilen. Die DNA ist purer Schaltkartsport – wenn die 125er-KZ-Klassen mit ihren sechs Gängen die Königskategorie auf Sprintstrecken sind, ist Superkart dieselbe Idee, komplett von der Leine gelassen: mehr Hubraum, mehr Gänge, mehr Speed – und Geraden, die lang genug sind, um alles davon zu nutzen. Viele Superkart-Piloten haben ihr Handwerk in den Schaltklassen gelernt, und die Schrauberkultur ist identisch.

Superkart-Events laufen außerhalb der Sprintkart-Strukturen, die unsere Weltrangliste abdeckt – eine Superkart-Tabelle wird man hier also nicht finden. Dafür floriert die Zubringerdisziplin in unserer KZ2-Rangliste und unserer KZ-Rangliste. Und wenn Superkart-Rahmenrennen bei großen Kart-Wochenenden auftauchen, sind sie in unserem internationalen Kalender markiert.

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Quellen: Superkart — Wikipedia · Kart racing — Wikipedia

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