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Keine Kupplung, kein Anlasser, keine Gnade: Die 1970er und 80er bauten die Mythologie des Kartsports auf – Anschieber für Anschieber.
Fragen Sie irgendjemanden, der in den 1970ern oder 80ern international Kart gefahren ist, und Sie bekommen dieselbe Antwort: Das war der Gipfel. Die Technik erklärt, warum. Das klassische 100-ccm-Kart hatte Direktantrieb – keine Kupplung, kein Anlasser, kein Getriebe. Gestartet wurde im Laufschritt per Anschieben, und von diesem Moment an hörte der Motor nicht mehr auf zu kreischen – bis zur Zielflagge oder zum Kolbenklemmer, je nachdem, was zuerst kam. Drehschieber-Zweitakter drehten in Regionen, die kein anderer Motorsport kannte, in den letzten Jahren der Formel bis gegen 20.000/min. Einen davon mitten im Rennen am Leben zu halten, wenn ein Rutscher das Tempo fraß und keine Kupplung als Rettungsanker blieb, war eine Kunst für sich.
Die Ehrentafel der Ära ist der Kern der Karting-Mythologie. Terry Fullerton wurde 1973 auf Birel als erster britischer Weltmeister – und entschied sich dann, sein Leben lang Kartfahrer zu bleiben. Riccardo Patrese holte den WM-Titel 1974, bevor er zu einer Formel-1-Karriere mit 250 Rennen aufbrach. Felice Rovelli gewann 1976 und 1977 zweimal in Folge.
Dann kamen die DAP-Jahre. Von 1978 bis 1980 hieß Fullertons Teamkollege im italienischen Werksteam ein brasilianischer Teenager namens Ayrton Senna. Ihr Privatkrieg produzierte Doppelsiege in Serie; bei der Weltmeisterschaft 1980 gewann Fullerton das erste Finale, ehe ihn ein Motorschaden auf Gesamtrang drei zurückwarf – einen Platz hinter Senna, der den Kart-WM-Titel, nach dem er sich so sehnte, bekanntlich nie gewann. Dreizehn Jahre später, in Adelaide gefragt, welcher Rivale ihm die größte Genugtuung verschafft habe, nannte der dreifache F1-Weltmeister nicht Prost. Er nannte Fullerton: schnell, konstant, komplett – und einzig des Rennfahrens wegen am Start.
Die 1980er gehörten einem Mann. Mike Wilson, ein Yorkshireman, den IAME-Gründer Bruno Grana nach Italien holte, gewann sechs Weltmeisterschaften – 1981, 1982, 1983, 1985, 1988 und 1989 – auf Birel-Chassis mit IAME-Parilla-Motoren und schlug dabei Senna, Fullerton und einen jungen Alessandro Zanardi. Kein Fahrer hat diese Bilanz seither erreicht.
Puristen sollten wissen: Auch damals bastelte die CIK am Reglement. Die Weltmeisterschaft fuhr von 1981 bis 1987 mit 135-ccm-Formel-K-Motoren, ehe das FS100-Reglement 1988 die 100 ccm zurückbrachte. Doch das 100-ccm-Kart mit Direktantrieb blieb durchgehend das schlagende Herz des Sports – die Klasse, die alle fuhren, der Maßstab, an dem alles andere gemessen wurde. Die 1981 von der CIK eingeführte Homologation von Chassis und Motoren gilt als eigentlicher Startschuss der goldenen Ära: Sie zwang die Hersteller, das zu fahren, was sie verkauften.
Die Ära endete nicht auf der Strecke, sondern im Fahrerlager: In den 1990ern kamen das Geld, die Scouts und die Formel 1 selbst. Diese Verwandlung erzählt die Geschichte der 90er-Jahre des Kartsports.
Quellen: Terry Fullerton — Wikipedia · Interview with Mike Wilson, the karting record holder — TKART · Commission Internationale de Karting — Wikipedia · Karting World Championship — Wikipedia