Die 1990er: Karting wird zur Kaderschmiede der Formel 1

Ein deutscher Junge aus Kerpen veränderte, was ein Kartergebnis wert war – und das Geld folgte auf dem Fuß.

Spa, August 1991. Ein unbekannter Deutscher qualifiziert sich bei seinem Formel-1-Debüt als Siebter, und jeder Teamchef im Fahrerlager stellt dieselbe Frage: Wo kommt der her? Die Antwort war eine Kartbahn in Kerpen. Michael Schumacher – Kart-Europameister von 1987 – erreichte die Formel 1 kaum vier Jahre nach seiner letzten vollen Kartsaison, und seine Laufbahn schrieb die Ökonomie des Sports über Nacht neu. Wenn der nächste Schumacher gerade zwölf Jahre alt war und in einem Kart saß, dann musste man genau dort hinschauen.

Der Schumacher-Effekt

Durch das goldene Zeitalter hindurch war Karting ein Sport gewesen, der gelegentlich Fahrer exportierte. In den 1990ern wurde er zu einer Pipeline, die sie gelegentlich behielt. F1-Teams, Manager und Sponsoren begannen, das internationale Karting systematisch zu scouten; ein Europa- oder Weltmeistertitel mit fünfzehn übersetzte sich nun direkt in Formel-Budgets. Und die Beweise kamen im Takt: Jarno Trulli gewann 1991 und 1994 Kart-Weltmeisterschaften und saß 1997 in der Formel 1. Fernando Alonso holte 1996 den Junioren-World-Cup; Lewis Hamilton gewann 2000 den Formula-A-World-Cup – da stand er bereits bei McLarens Nachwuchsprogramm unter Vertrag.

Formula Super A: das Schaufenster

Die Eliteklasse bekam einen Namen, der ihrem neuen Status entsprach. Ab 1993 hieß die Top-Direktantriebsklasse der CIK Formula Super A – 100 ccm, Direktantrieb und die stärksten Startfelder, die der Kartsport je versammelt hatte. Ihre Stars waren echte Profis: Danilo Rossi holte Weltmeistertitel 1990, 1992 (ein Doppelschlag), 1997 und 1999; Davide Forè eröffnete 1998 und 2000 sein Konto von vier Titeln. Und 2001 gewann Vitantonio Liuzzi die Krone – in jener Saison, in der er im Kart bekanntlich einen zurückgekehrten Michael Schumacher schlug. Ein Ergebnis, das genau deshalb Schlagzeilen machte, weil das Jahrzehnt das Ansehen des Kartsports so verändert hatte.

Das Geld kommt

Mit den Scouts kamen die Budgets. Werksteams professionalisierten sich zu Strukturen mit bezahlten Werksfahrern, eigenen Motorentunern, datenaffinen Ingenieuren und einer Hospitality, die auch einem Formel-Nachwuchsteam gut zu Gesicht gestanden hätte. Chassishersteller kämpften um WM-Titel als Marketingwaffen, denn eine Meisterschaft verkaufte nun Karts an Tausende Familien, die den Sport als Schritt eins eines F1-Plans betrachteten. Die Kosten stiegen entsprechend – der Beginn einer Inflation, über die der Sport bis heute streitet.

Was das Jahrzehnt veränderte

  • Das Aushängeschild des Kartsports wurden seine Absolventen. Ergebnisse zählten zunehmend für das, was sie versprachen – nicht nur für das, was sie waren.
  • Karrieren beschleunigten sich. Das Schumacher-Modell – vom Kart in die Formel 1 in einer Handvoll Saisons – wurde zur Blaupause, der bis heute jede Akademie folgt.
  • Der Karting-Profi alter Schule begann aus der Topklasse zu verschwinden. Champions wie Rossi und Forè blieben, doch der Archetyp eines Fullerton oder Wilson – der Berufskartfahrer als größter Star des Sports – wich dem Teenager-Wunderkind auf der Durchreise.

Die 1990er hinterließen einen Kartsport, der reicher, schneller und sichtbarer war als je zuvor – und bereiteten die turbulenteste Entscheidung seiner Geschichte vor. 2007 sollte die CIK die 100-ccm-Formel komplett beerdigen, ein Vabanquespiel, das das KF-Experiment beleuchtet.

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Quellen: Karting World Championship — Wikipedia · L'Albo d'Oro del Campionato del Mondo di Karting — TKART · Michael Schumacher — Racing History (official site) · Tonio Liuzzi on beating Schumacher — Formula1.com

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