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Die Schiebestarts kehrten zurück, die Promoter übernahmen – und der Weg vom ersten Mini-Rennen eines Achtjährigen bis ins F1-Cockpit wurde kürzer denn je.
Das moderne Kart-Zeitalter begann mit einem Eingeständnis der Niederlage. 2016 warf die CIK-FIA die ungeliebte KF-Formel über Bord und führte OK – Original Kart ein: 125 ccm, wassergekühlt, Direktantrieb, entrümpelt von aller Elektronik und wieder mit Schiebestart. Der Name war die Botschaft. Nach einem Jahrzehnt der Übertechnisierung baute der Weltverband seine Topklasse wieder um die älteste Idee des Sports herum auf – das denkbar einfachste Kart, entschieden vom Fahrer – und langsam kehrte das Vertrauen ins internationale Fahrerlager zurück. Die heutigen OK-Rankings sind wieder das, was sie sein sollen: der definitive Maßstab für die besten Teenager-Racer der Welt.
Auch die Bühnen, auf denen sich Fahrer beweisen, haben sich verschoben. Der Spitzenkartsport läuft heute über eine Achse aus zwei Promotern. Italiens WSK Promotion, deren Super Master Series seit 2010 läuft, bleibt die Bewährungsprobe in Winter und Frühjahr, mit der jede ernsthafte OK-, OKJ-, KZ2- und Mini-Kampagne beginnt. Seit 2020 gesellt sich RGMMCs Champions of the Future dazu, eine FIA-sanktionierte Serie, die ganz bewusst in den Wochen vor den EM- und WM-Läufen auf denselben Strecken gastiert – näher an einer Pflicht-Generalprobe war Kartsport nie. Zusammen versammeln die beiden Promoter praktisch jeden Fahrer, der zählt; schon die frühen Siegerlisten (Arvid Lindblad holte 2020 den ersten OK-Junior-Titel) lesen sich wie eine Nennliste der F1-Nachwuchsserien, und COTF bringt inzwischen nationale Ableger von Großbritannien bis in die USA hervor.
Die größte strukturelle Veränderung der Ära passierte ganz unten auf der Leiter. Die 60-ccm-Mini-Klasse – eine italienische Institution seit 1984 – wurde 2020 von der FIA als einzige internationale Direktantriebsklasse für unter Zwölfjährige homologiert, und Mini 60 globalisierte sich prompt. Acht- bis Zwölfjährige bestreiten heute WSK- und COTF-Läufe mit Werksteams, Profi-Coaches und internationalen Nennlisten, und Mini-Ergebnisse werden so ernsthaft gescoutet wie die der Seniorklassen. Spielzeug sind diese Karts keineswegs – Tests haben über 106 km/h gemessen, genug, dass die FIA ab 2026 die Mini-Rundenzeiten reglementiert.
Mit dem Kalender änderte sich die Kultur. Moderner Spitzenkartsport ist ein Datensport: Onboard-Datenerfassung, Sektoranalyse, eigene Fahrercoaches und Simulatorzeit gehören für vorn mitfahrende Zwölfjährige zum Standard. Das Ergebnis ist die effizienteste Talentpipeline, die der Motorsport je hatte. Max Verstappen lieferte die Blaupause – KZ-Weltmeister 2013, F1-Debütant mit 17 im Jahr 2015 – und die Maschine hat seither nur weiter beschleunigt: Kimi Antonelli und Arvid Lindblad schafften es jeweils in weniger als sieben Jahren vom Mini-Kart ins Formel-1-Cockpit. Lando Norris, Kart-Weltmeister von 2014, ging denselben Weg. Wenn ein F1-Pilot mit 17 oder 18 debütiert, hat seine gesamte Rennfahrer-Ausbildung hier stattgefunden.
Siebzig Jahre nach Art Ingels' Garagen-Eigenbau war Kartsport für den Motorsport nie wichtiger – und hat Zukünfte nie schneller entschieden.
Quellen: Original Kart — Wikipedia · Champions of the Future — Wikipedia · 60 Mini — Wikipedia · WSK Super Master Series — Wikipedia